Hofer Tour
Saisonstart
Früher hab ich die Saison erst einmal begonnen.


Der Nagel ist raus, die Fäden sind gezogen und die Sonne scheint. Nun ist es auch warm genug für mich. Da ich gerade viel Zeit hab hatte ich nicht vor die Feiertage zu "nutzen", sondern zu warten bis ich die Welt nicht mit der arbeitenden Bevölkerung teilen muss. Ein Anruf am Freitag hat diesen Gedanken jedoch ausgehebelt...

Also hab ich mich am Karsamstag nach Erfüllung meiner Pflichten auf den Weg gemacht. Erst mal Autobahn... bis Oy-Mittelberg. Dann ab Richtung Oberjoch und Tannheimer Tal und Lechtal. Eine frühlingshafte Geruchsmelange empfängt mich. Am einfachsten Kann man sich das vorstellen, wenn man im Kuhstall die Nase in ein Tütchen Ricola-Kräuterzucker steckt und tief durch die Nase einatmet.

Aus dem Lechtal geht es ins Namlostal und Berwangertal und ein bisschen weg vom Frühling. Aber erst noch mal Zigarettenpause.

Schon sehr bald wird die Strasse, wie erwartet, staubig und ein gelassen, vorsichtiges Fahren ist angesagt. Da ich nach fast 8 Monaten Zwangspause eh nichts anderes vorhabe passt das schon.

Scheinbar bin nicht nur ich auf die Idee gekommen.

Anschließend steht mir der Fernpass bevor. Nicht so wirklich toll heute. Einfach zuviel Verkehr, aber viele Alternativen gibt es um die Zeit noch nicht. Ab Imst geht es über die Autobahn bis zum Brenner. Auf der Südtiroler Seite ist der Abzweig zum Jaufen in Sterzing bald erreicht. Hier vor dem Pass habe ich auch den Eindruck es wird Frühling.

Und nun geht es wie in einer Zeitreise zurück in den Winter. Schon bald liegt der erste Schnee zwischen den Bäumen und nach den Bäumen ist der Winter wieder da.

Da oben am Pass ist es auch ziemlich frisch und nach der Zigarette bin ich froh, die Handschuhe wieder anzuziehen. Und da geht es jetzt runter

Zwischenzeitlich hat Wally, die schon am Vortag gefahren ist ihr Einzelzimmer in ein Doppelzimmer gewandelt, damit hab ich einen Übernachtung mit Halbpension in Lana. Im Passeiertal ist dann schon richtig Frühling.

Die Apfelblüte in Südtirol hab ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Sehr lange sogar... Meran und Lana ist nur noch ein Katzensprung. Das Abendmenue ist vom Feinsten. Das hab ich mir aber gedacht. Ich bin ja nicht zum ersten Mal dort. Allerdings gehört das Hotel auch nicht zu den ganz billigen Häusern.

Am nächsten Morgen fährt Walli wieder zurück, ich genehmige mir zum Warmwerden und mich wieder ans genussvolle Motorradfahren zu gewöhnen den Gampen und anschließend den Mendelpass. Überall noch tote Hose aber schön ruhig. Nach Bozen geht es ein paar Minuten das Eissacktal Richtung Brenner bis Blumau. Hier ist mein Liblingseinstieg in die Dolomiten, der Nigerpass. Der Straßenbelag ist wie gewohnt zerbochen und gerissen, aber doch recht griffig. Aber auch hier brauch ich meine Zigarettenpausen

und kann dann dabei zeitgenössische Kunst am Berg genießen.

Ein paar Baustellen trüben den reinen Genuss und mit dem Schnee kommen auch wieder Drech, Staub und Splitt. Oben an Niger und dem anschließenden Karerpass ist noch volle Skisaison

Und Skifahren scheint so gefährlich wie Motorradfahren zu sein.

Aber Motorradfahrer müssen nicht so oft umsteigen. Die Berge sind hier schon ziemlich dolomitig.

Sellarunde geht noch nicht, wegen Lawinengefahr. Schade, um diese Zeit hätte man sie noch fast für sich alleine. Aber Pelegrino ist auch sehr nett. Moena lässt sich jetzt durch einen Tunnel umgehen und es geht direkt zur Ortsausfahrt zum Pass. Aber für die puristischen Biker denen alles Neue wie Tunnel und Schnellstraßen ein Greuel ist... Man kann sich immer noch durch den Ort quälen.

Hier am Pelegrino ist noch richtig Winter.

Außer der Straße ist wirklich alles noch schneebedeckt. Und so machen sie ihren Schnee, mit jeder Menge Schneekanonen

Aber sie haben wirklich gut gearbeitet

Auf dem Weg nach unten liegt eine GS in der Kehre. Nachdem wir das Ding hochgewuchtet haben, erklärt mir der Fahrer dass sie einfach weggerutscht sei. Wie überraschend. Ist mir schon klar, dass ihm das im Sauerland noch nie passiert sei. Mit nem 4-10 Saisonkennzeichen...

Über den Valles fahre ich weiter auf Pass Rolle zu, auch hier ist noch Winter und auch hier sieht er gut aus

und touristisch ist der Vallespass auch bei weitem nicht voll erschlossen.

Entsprechend ruhig ist es auch. Nur eine Gruppe hochmotorisierte Cabrios hat die Strecke auch entdeckt. Gasgeben führt, wegen des Staubes, zu sofortigem leisen Durchdrehen der Räder, bei beeindruckendem Motorsound. Mir hat es gefallen. Da war ich jedoch der Einzige im Publikum.

Ganz anders der darauf folgende Rollepass. Skizirkus total, zu geparkt, dass nicht mal mehr Platz für ein Motorrad ist.

Die Bergkulisse ist auch hier beeindrucken.

Beeindruckender als im Sommer finde ich. Runterwärts liegt die zweite GS in der Strasse. Ich bin immer wieder überrascht, wie schwer das Ding ist.

Eigentlich wollte ich ja über Passo Cereda und Forcella Aurine nach Agordo und dann wieder zurück über Falcalde und Pelegrino. Fing auch gut an soweit.

Am Cereda oben, herrscht so richtig Osterstimmung...

Kurz vor Agordo ist die Straße zu wegen Felssturz... Alles wieder zurückForcella, Cereda, Rolle bis zum Valles ...

Am Rolle hab ich wieder mal erkannt, dass Verkehrsschilder nicht unbedingt und ausschließlich Schikane sind. Auf der Bergseite ist eine Mauer ca 1,5 m und darauf noch mal so hoch Schnee und ein Halteverbot. Traditionell ist einem Italiener ein Halteverbot ja nur ein Diskussionsvorschlag... So kamen erst die Autos, dann die Sonne und schließlich der Schnee, vermengt mit Pferdekopf großen Steinen. Sah richtig teuer aus...

Rolle runter lag dann die dritte GS in der Kurve. Es mag ja sein, dass die GS in den Alpen unschlagbar ist. Aber wohl nur dann wenn der Fahrer es auch ist. Wenigstens sollte er auch in der Lage sein Staub und Dreck zu erkennen.

Über Auer will ich nun zurück ins Etschtal zurück in den Frühling und die Wärme. Ist eine ziemlich einsame Gegend hier.

Da muss hier wohl ein besonders unbeliebter Ritter gehaust haben.

Hier gibt der Schnee dann allmählich auf. Auch wenn noch ziemlich viel im Schatten des Waldes liegt.

In Auer erwartet mich die nächste Sperrung. Nach Kaltern geht es nicht. Nur Richtung Bozen. Naja so richtig fit bin ich nicht mehr, dann ist das auch nciht so schlimm. In Bozen beschließe ich dann auf Mendel und Gampen als Abschluss zu verziechten und über die Autobahn nach Lana zu fahren. Ich hab genug für heute... Im Hotell erwartet mich das Ostermenu und mein Bett.

Sonntag morgens nach dem Frühstück, mache ich mich auf den Heimweg.

Blick zurück nach Meran

Die selbe Strecke wie die Anfahrt.

Vor dem Jaufenpass wird noch mal ein Beweisfoto für den Frühling gemacht und wenn ich schon stehe, dann kann ich auch gleich rauchen.

Am Fernpass, der diesmal, bei wenig Verkehr, gut zu fahren ist, werfe ich noch einen Blick Richtung Zugspitze. Und einen Nachbarn.

In Bichlbach noch abbiegen Richtung Berwang und schon bin auf dem Weg zum Namlosen Tal. Hier und im Tannheimertal waren in den Tagen die meisten Motorräder unterwegs.

Es waren im Namlostal mindestens 10... Und im Tannheimertal noch mal so viele.

Nach Oberjoch kommt nur noch die Autobahn und dann Heim in die Eisdiele. Das war dann die letzt Enttäuschung der Tour. Markt in der Stadt und alle Plätze belegt...